Ich glaube an die normative Kraft des Faktischen

Kenia 2008



Weit über den Erwartungen ist unser Urlaub vom 3.2.2008 bis 16.2.2008 in Kenia ausgefallen. Trotz des flauen Gefühls wegen der Unruhen nach den Wahlen vom 27. Dezember 2007 und wegen der Beharrlichkeit des African Safari Clubs auf Durchführung der Reise (im Falle eines Stornos wären bis zu 80% Stornokosten fällig gewesen - andere Reisebüros haben kulanterweise Stornos erlaubt) traten wir die über 6000 km lange Reise mit der Erwartung von Abenteuer und Erholung an. Leider waren auch die Flüge nach Mombasa und zurück mehr Abenteuer als Erholung, denn der ASC bestand darauf die beiden als Direktflüge gebuchten Reisen über Berlin bzw. London (ohne Aussteigmöglichkeit aus dem Flugzeug) abzuwickeln, was nicht nur wir weniger freundlich zur Kenntnis nehmen wollten (niemals wieder ASC!). Abgesehen von der verlängerten Reise (13 statt 9 Stunden) mit dem etwas älteren ASC - Airbus 310 mit defekter Videoanlage, den Lügen im Reisebüro ("ist ganz bestimmt ein Direktflug"), den etwas abgewohnten Hotels und Lodges und den reparaturanfälligen Safari-Jeeps (inkl. Reifenpanne, Reifenplatzer und Motorschaden in 2 Tagen) konnte uns der ASC das Abenteuer aber nicht weiter vermiesen. "Leider" können wir nicht alle der 4500 Fotos mit D70/18-200mm und D300/80-400mm darstellen - aber ein repräsentativer Querschnitt wird in den 4 angeführten Fotoalben gezeigt.


Montag, 4.2. - Dienstag 5.2.

Der nicht mehr ganz taufrische ASC-Airbus 310 landete am Montag, 4.2.2008 um 6:30 am Mombasa International Airport. Im Konvoi mehrerer Busse und einem Polizeifahrzeug ging es dann durch Mombasa zur Nordküste wo unser Hotel "Flamingo" (auch schon etwas älter aber recht sauber) den Meeresstrand säumte. Interessant am Meer waren neben den vielen Tierarten, welche besonders bei Ebbe gut zu beobachten waren, auch der enorme Gezeitenhub von 2m, welcher uns das Schwimmen bei Ebbe zum Bauch- und Hinternkitzeln umfunktionieren ließ. Auf die Beach Boys (leider keine Surfmusic, sondern ätzende Strandverkäufer) waren wir zwar vorbereitet - aber doch schon recht bald ziemlich genervt, denn offenbar musste der Restbestand der Gäste (ca. 20% einer normalen Saison) mit 100% Beach Boys überleben. Letztendlich half nur mehr die Strategie, diese Quälgeister zu ignorieren und die vielen "Jambo! wie geht's? woher kommst du? ..." Sprüche kommentarlos zu überhören.

Mittels einer 20-sitziger Propellermaschine, welche den Luftströmungen wenig entgegenzusetzen hatte , wurden wir ab Dienstag von Camp zu Camp chauffiert, was angesichts der Straßenlage das absolut komfortabelste und schnellste Vorankommen darstellte. Ausgehend vom Bamburi Flugfeld in der Nähe des Hotels startete die Skytrail 5Y-SKA in Richtung Crocodile Camp am östlichen Rand des Tsavo-Ost Nationalpark. Trotz des schon etwas betagteren Fluggeräts (einige der Anzeigen im Cockpit funktionierten vermutlich gar nicht mehr, obwohl Pilot und Copilot eifrig daran herumdrehten) kamen wir gesund und heil am Boden an.




Crocodile Camp - Tsavo Ost

Dienstag 5.2. - Donnerstag 7.2.

Bereits die Ankunft am Flugfeld des Crocodile Camps (direkt am Galana Fluss) war ein Abenteuer, zumal rechts und links von der unasphaltierten Rollbahn schon die ersten Warzenschweine auf uns warteten. In der Lodge selbst begrüßten uns einige Nilwarane (Länge > 1m) und lieferten damit die ersten eindrucksvollen Bildmotive der Safari. Nach dem raschen Einchecken ging es dann gleich los mit dem ersten "Game Drive" (Pirschfahrt). Während anfänglich noch jedes Warzenschwein, jede Gazelle oder gar Termitenhügel (leuchtend rot wegen dem laterithaltigen Boden und bis zu 2m hoch) für uns eine Sensation darstellte und ausgibigst fotografiert wurde, war schon nach kurzer Zeit klar, dass dies der Normalfall war und die wirkliche Herausforderung das Aufstöbern der Big Five (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard) war.



Bei einigen Bier und einem zünftigen Essen wollten wir den Tag dann ausklingen lassen, was aber durch die Fütterung der Nilkrokodile unterbrochen wurde. Das Rezept der Fütterung ist einfach: man werfe ein paar Rinderknochen Richtung Galana-Fluss und rufe dazu die Namen der zum "Dinner" erwarteten Krokodile "Otto kommt! Gadaffi kommt! Susi kommt! ... " und tatsächlich zeigte sich nach mehrmaligen Rufen ein etwa 3-4m großes Krokodil (angeblich war's Gadaffi) am Ufer und begann die dargebotenen Knochen zu verspeisen. So lernten wir auch, dass Krokodile zentimeterdicke Knochen problemlos zerbeißen und diese auch fast restlos verdauen können - nirgends gab es "Krokodilhäufchen".



Tag 2 im Crocodile Camp begann mit einer Frühpirsch, also Aufstehen um 5:00, Frühstück um 5:30 und Abfahrt um 6:00 (ja, wenn man etwas sehen will, dann muss man auch Opfer bringen). Quer durch den Tsavo Ost Nationalpark zum Voi Tor (Voi liegt direkt an der berüchtigten Straße von Nairobi nach Mombasa) gab es dann auch die ersten "Katzen" zu sehen: Plötzlich tauchte im Busch ein Leopard mit seiner Beute im Maul auf - leider viel zu kurz um die Kamara in Position zu bringen. Kurz darauf der erste Löwe: aber wenig spannend, denn dieser döste nur vor sich hin. Hier konnte ich aber die ersten Katzenfotos schießen. In Voi besuchten wir noch ein Dorf der Massai, wo uns die Kunst des Feuer machens (ohne Feuerzeug oder Zündhölzer) demonstriert wurde. Auch konnten wir eine der traditionellen Hütten besuchen und und wurde ein Volkstanz gezeigt. Bettelnde Kinder rundeten dann das ganze Touristenevent ab. Auf der Heimfahrt erblicketen wir dann einen weiteren Leoparden, entspannt auf einem Baum sitzend. Damit hatten wir bereits am Mittwoch 4 der 5 Big Fives erspäht und fotografiert, zumal etliche Begegnungen mit Elefanten und Büffeln, so nebenbei erfolgten. Die Pirschfahrt am Nachmittag hatte ein eindeutiges Highlight: vermutlich mehrere Löwen hatten ein Zebra erlegt, waren jedoch verschwunden. Lediglich eine Löwin bewachte, völlig außer Atem, den Kadaver ... unser Guide meinte, dass am nächsten Tag das Fressen der Beute erfolgen dürfte.

Am Donnerstag war der erste Weg auf der Frühpirsch zum Zebrakadaver, und tatsächlich lagen dort vier Löwinen und genossen offensichtlich das Verspeisen des Zebras, obwohl sie dabei von Hyänen und Aasgeiern beobachtet wurden. Neben diversen anderen Tierbeobachtungen konnten wir dann auf einem anderen Abschnitt des Galana-Flusses noch Nilpferde und Krokodile beobachten, was uns vom Baden in diesem Gewässer doch abgehalten hat (abgesehen von der Gefahr durch Bilharziose).

Um 15:30 brachte uns unser Flugzeug zur Zebra Lodge in Kimana am Fuße des Kilimandscharo.


Zebra Lodge - Kimana

Donnerstag 7.2. - Samstag 9.2.


Wenig spektakulär der erste Tag in der Zebra Lodge, denn die Fahrt brachte nur bekannte Tiere zum Vorschein, und der anvisierte Gepard konnte beim besten Willen nicht erspäht werden. Auch der Blick auf den Kilimandscharo war enttäuschend, da dieser sich wolkenverhangen präsentierte. Lichtblick war dann eher das gemeinsame Sitzen am Lagerfeuer, das Genießen der Umgebung, das Lauschen der Tierlaute und die prikelnde Gefahr, dass jederzeit ein Hippo aus dem naheliegenden Hippo-Pool auftauchen könnte. Deshalb wurden wir auf dem Weg vom Lagerfeuer zu unserer Hütte von einem Massai begleitet, der "furchterregend" mit Speer und übergroßen Gummistiefeln ausgestattet war.




Am Freitag war der erste und einzige "Game-Walk" dran, d.h. wir wurden ohne Auto, dafür aber von einem Parkwärter begleitet, der mit scharfgeladenem Gewehr uns vor den bösen Tieren beschützen sollte, in die Steppe geschickt. Hier konnten wir einiges über die Tiere lernen, zumal die Verbindung zur Natur weitaus besser zur Geltung kam als bei der Fahrt im Safaribus. Ein weiteres Highlight an diesem Tag war dann der Besuch beim naheliegenden Hippo-Pool (natürlich auch zu Fuß), wo gut zwanzig Hippos und etliche Krokodile das Bad im Wasser genossen. Abgesehen von den einzelnen Tierbegegnungen, zeigte sich auch der Kilimandscharo in seiner schönsten Pracht, und so konnten wir doch einige Foto von dieser einzigartigen Kulisse mit nach Hause nehmen. Lagerfeuer und Abendessen wie am Vortag und am nächsten Tag frühes Aufstehen, wegen Abflug um 7:30, finalisierten den Besuch in der Zebra Lodge.


Mara Buffalo Camp - Massai Mara

Samstag 9.2. - Dienstag 12.2.

Am fünften Tag stellten wir uns natürlich die Frage, ob die gewählte Anzahl von 8 Tagen nicht doch zuviel gewesen war, zumal wir ja schon einen Großteil der erwarteten Tiere gesehen hatten. Die Antwort auf diese Frage hatten wir 10 Minuten nach dem Start der ersten Pirsch: 8 Tage sind sogar zu wenig, wenn man in der Massai Mara pirscht. Diese Erkenntnis kam, nachdem wir ein Rudel von 3 Geparden erspäht hatten und dieses über 15 Minuten beim Streifzug durch die Steppe beobachten und fotografieren konnten. Auch das Camp war einzigartig: direkt am Mara-Fluss gelegen wo sich Nilpferde im Wasser tümmelten und Krokodile auf Beute warteten. Eine weitere Besonderheit war Milia, ein zahmes Zebra, welches als Jungtier vom Besitzer der Lodge gefunden worden war (die Mutter wurde angeblich von Löwen verspeist), und seither Gastrecht in der Lodge genoss.

Auch der sechste Tag war etwas besonderes: ein Besuch in einem Reservat für Nashörnern, welche ja vom Aussterben bedroht sind, und deshalb besonderen Schutz genießen. Erfreulicherweise wurde 14 Tage zuvor ein Nashorn geboren, welches sicherheitshalber zusammen mit seiner Mutter in ein holzumzäuntes Gehege eingesperrt wurde. Der Rhinozeros-Vater lebte außerhalb dieser Absperrung und so kamen wir dem Bullen (ca. 2 Tonnen schwer) zu Fuß auf 5 Meter nahe und konnten dabei sogar sein Baby streicheln. Ein wahrlich beeindruckender Moment. Leider setzte am Nachmittag Regen ein, der uns zur vorzeitigen Heimkehr in das Camp zwang.




Der darauf folgende Tag begann wieder mit einer Frühpirsch, diese hatte allerdings einige Tücken parat, da unser Jeep im aufgeweichten Boden stecken blieb und trotz Vollgas, wobei wir zuvor aussteigen mussten, nicht zur Rückkehr auf die Straße zu bewegen war. Erste mit fremder Hilfe konnte der Jeep aus dem Gatsch befreit werden, allerdings war bald darauf der Reifen kaputt und verlor Luft, also musste dieser gewechselt werden. Und als ob dies noch nicht genug gewesen wäre, mussten wir noch kurz vor der Heimkehr in einen anderen Jeep wechseln, da unser Gefährt gänzlich verreckt war. Anyway, die Pirsch war mit vielen interessanten Sichtungen (von Affen bis Zebras, von Krokodilen bis Löwen und von Nilpferden bis Geparden) ein voller Erfolg.

Der letzte Tag brachte uns dann noch die Sichtung zweier junger Leoparden, welche sich an einem Baum ein spielerisches Duell lieferten. Auch musste unser Driver erstmals einem Tier nach einem Scheinangriff ausweichen: ein Rudel Elefanten war offenbar wegen ein paar trödelnden Jungtieren auseinander gerissen worden und wir waren dazwischen ... Und auf der Fahrt zurück zum Camp hatten dann noch unser Jeep einen Reifenplatzer mit LAUTEM Knall!

Mit einem zweistündigen Flug mit "unserem" Flugzeug zurück auf's Bamburi Flugfeld ging dann auch der letzte Tag der Safari erfolgreich zu Ende.

restliche Tage im Hotel

Dienstag 12.2. - Samstag 16.2. (3:30 Weckzeit für Flug Mombasa - London - Wien)
Wenig spektakulär, eher dem Relaxen gewidmet, verging dieser Teil der Reise unangenehmerweise verdammt schnell. Bei eher bewölktem bzw. diesigem Wetter war lediglich der extrem sonnige und klare Donnerstag eine Ausnahme, an dem eine Reihe von Langzeitbelichtungen recht stimmungsvolle Abendimpressionen einfangen konnten. Nebenbei widmeten wir uns auch den zahlreichen Katzen und Meerkatzen, welche zwar nicht gefüttert wohl aber gestreichelt (Katzen) bzw. beobachtet (Meerkatzen) werden durften.