Ich glaube an die normative Kraft des Faktischen

Wien - Bratislava: mit dem Fahrrad und dem Twin City Liner

Das Radwegnetz in und um Wien ist bekanntlich bestens ausgebaut. Besonders die internationalen Radverbindungen, wie dem Eurovelo 6 oder 9, erlauben tausende Kilometer mit dem Rad auf besonders gut ausgebauten und beschrifteten Wegen zurückzulegen.
Eurovelo 6: vom Atlantik (Nantes) zum Schwarzen Meer (Constanta); in Österreich: Donauradweg
Eurovelo 9: von Danzig nach Pula; in Österreich: tw. Dampfross-Radweg
Ein für uns besonderer Abschnitt ist dabei der Donauradweg von Wien nach Bratislava: mit dem Rad durch den Nationalpark Donauauen über Hainburg in die slowakische Hauptstadt und mit dem
Twin City Liner wieder zurück.

Startpunkt Wien
Am besten beginnt man auf der Donauinsel und fährt bis ca. Kilometer 6 Richtung Südost zur Steinspornbrücke. Diese überquert man und gelangt so auf auf das linke Ufer wo man entlang des Entlastungsgerinnes bis auf die Höhe der Waluliso-Brücke fährt (keine Angst vor den Nackerten sondern Konzentration auf’s Radfahren!). Dort ist auch die Abzweigung nach Hainburg (Markierungen beachten!). Nach dem Überqueren der Raffineriestraße geht es durch das Erdöllager Lobau (Achtung vor dem Schwerverkehr an Werktagen!).

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Durch den Nationalpark Donauauen

Nach ca. 1km vorbei an zahlreichen Erdöltanks ist man endlich im Nationalpark Donauauen und kann dann mehr oder weniger geradeaus bis nach Stopfenreuth radeln. Wer diese 50km ohne Foto-, Verschnauf- oder Jausen-Pausen durchfährt, ist selbst schuld, denn neben offiziellen Sehenswürdigkeiten wie Orth/Donau (Nationalparkhaus, Museum, Schiffsmühle) oder Eckartsau (Schloss, ca. 1km vom Radweg entfernt) gibt es immer wieder Wildtiere zu beobachten: Wildschweine, Rehe, Sumpfschildkröten, Frösche, Schlangen, Reiher, Störche, Mäusebussarde, Falken, Schmetterlinge (alles selbst beobachtet). Wer sich Zeit nimmt, sieht natürlich mehr. Fischliebhabern sei das Fischlokal in Orth, direkt an der Donau empfohlen.

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Über die Donau nach Hainburg
Nach Stopfenreuth folgt der hässlichste Teil des Radwegs: die Überquerung der Donau bei Deutsch-Altenburg, denn neben dem schmalen Radweg rasen die Autos, nur durch ein paar scharfkantige Metallstreben getrennt, über die Bundesstraße. Allerdings sollte man auch hier kurz stehen bleiben: einmal für den Blick über die Au aus 20m Höhe und dann wegen des Ausblicks auf Hainburg. In Deutsch-Altenburg kommen vorallem Fans der Römerzeit auf ihre Rechnung (Museum, Ausgrabungen und die Nähe zu Carnuntum). Wir fahren jedoch nach Hainburg weiter. Wer zum ersten Mal nach Hainburg kommt, dem sei die Ortsdurchfahrt (historische Stadtmauern mit Durchfahrt durch das Wiener Tor) empfohlen. Den Radfahrgenießern hingegen empfiehlt sich der Weg entlang der Donau und dann parallel zur Eisenbahn eine scharfe Rechtskurve. Der weitere Weg in Hainburg ist gut beschildert.

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Durch das Grenzgebiet nach Bratislava
Hat man Hainburg hinter sich gelassen, bietet sich bald der Blick auf die Betonplattenbauten von Bratislava - obwohl man noch 10 km von der Grenze (dem ehemaligen Eisernen Vorhang) entfernt ist. Zuerst geht es über Feldwege nach Wolfsthal (Endpunkt der Schnellbahnlinie nach Wien) und dann nach Berg wo die Grenze ist. Dank Schengener Abkommen gibt es jedoch keine Grenzkontrolle mehr - und so überschreitet (überfährt) man die ehemalige Todesgrenze völlig unspektakulär am Radweg. Gleich nach der Grenze ist man eigentlich schon in Bratislava - bis zum Stadtzentrum sind es jedoch noch ein paar Kilometer am Redaweg entlang der Stadtautobahn, welche man kurz vor der Donau unterquert und dann parallel zur Donau Richtung Stadtzentrum („Ufo-Brücke“) radelt. Die Donau überquert man dann am Radweg auf der auffälligen Brücke mit dem Restaurant. Am linken Donauufer geht es dann ca. einen Kilometer zur Anlegestelle des Twin City Liners. Hier kann man das Rad abstellen, die Karten für den Twin City Liner kaufen und den Stadtrundgang planen.

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Stadtrundgang Bratislava
Wie so manche Stadt kann man Bratislava in zwei, drei Stunden überfliegen oder mehrere Wochen wissenschaftlich erforschen. Bratislava ist sicher eine Stadt die mit Reizen nicht geizt und so manche historische Perle bereitstellt. Der Kern der Stadt ist sauber und nett restauriert - Restaurants, Lokale und Geschäfte folgen dicht nebeneinander. Trotz Straßenbahn oder Fahrrad empfiehlt sich ein Stadtspaziergang.

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Mit dem Twin City Liner nach Wien
Letztendlich muss man wieder zurück nach Wien. Mit dem Fahrrad wird die zweite Strecke sicher mühselig, mit dem Zug ist’s unspektakulär aber mit dem Twin City Liner wird’s ein würdevoller Abschluss. In 90 Minuten bringt einen der 2000 PS starke Katamaran ohne Zwischenstopp in die Wiener Innenstadt. Bei 50km/h kann man bei Sonnenschein am Oberdeck den Fahrtwind und die tollen Eindrücke genießen - wenn es kälter ist muss man eh im geschützten Unterdeck Platz nehmen. Highlights der Strecke: Beschleunigung des Katamarans, Burg und Felsen von Devin, Hainburg, Fahrt durch den Nationalpark, Abzweigung Donaukanal kurz vor dem Kraftwerk Freudenau.

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Wiener City
Nach der rasanten fahrt durch den engen Donaukanal endet an der neu errichteten Anlegestelle die Schifffahrt direkt am Schwedenplatz. Dort ist auch einer der schönsten Radwege Wiens, weshalb die Fahrt nach Hause recht angenehm verläuft.

Varianten
Der hier beschriebene Weg ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die Gegend zwischen Wien und Bratislava auszukundschaften. je nach Lust, Laune, Können und Ausdauer sind unzählige Varianten (die teilweise selbst wieder kombiniert werden können) möglich:
* kurze Variante: Wien-Orth und retour
* weitere Variante: Fahrt über Marchfeldkanal von Wien nach Hainburg
* Überquerung der Donau in Orth mit Fähre und Weiterfahrt über Carnuntum nach Hainburg
* Überquerung der Donau in Orth mit Fähre und zurück mit dem Zug von Haslau
* Wien - Hainburg und retour mit dem Zug
* Wien - Wolfsthal, Buschenschank und retour mit dem Zug
* u.s.w.