Was tun wenn das sonntägliche Grillen durch eine hartnäckige Wespe gestört wird? Panikartiges Herumfuchteln? Oder das Insekt zum Essen einladen und es dabei fotografieren?

Im On/Off Sommer 2016 mit der Tendenz zu Schlechtwetter am Wochenende ist das Grillen am Balkon leider eine rare Angelegenheit, wenn sich aber ein Sonntag so ideal anbietet wie der letzte, dann muss dies schon ordentlich zelebriert werden. Ein frisches T-Bone Steak landet am E-Grill und die Vorfreude auf ein 600g schweres Stück Fleisch lässt bereits das Wasser im Mund zusammenrinnen. Am Teller mit ein paar Rosmarinkartoffeln und einem Kartoffel-Gurken-Salat und einem Glas Wein und schon geht das Festessen los … und schon kommt Besuch in Form einer Wespe die sich ebenfalls am lukullischen Genuss ergötzen möchte.

Hektisch fliegt das Tier von einem Teller zum anderen, vom Rotweinglas zur Salatschüssel und wieder zurück zum Teller mit dem Steak. Offenbar kann sich der Jäger nicht für eine Beute entscheiden und gerät in Gefahr wie Buridans Esel zu verhungern. Man hat Mitleid mit dem schwarz-gelb gestreiften Killer mit dem Allergieschock auslösenden Giftstachel und möchte deshalb auch nicht mit diesem Bekanntschaft machen.

Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass Wespen am liebsten in Ruhe und offenbar nur kleine Portionen vertilgen möchten, sodass wir ein Stück vom Steak opfern und es etwas abseits positionieren. Interessanterweise „versteht“ die Wespe dies sofort und beginnt das etwas 1cm große Fleischstück zu bearbeiten. Es dauert nicht lange bis sie ein etwa 4mm großes „mundgerechtes“ Stück abgezwickt hat und sich damit aus dem Staub macht. Allerdings hat sie damit einige Probleme über das Balkongeländer zu manövrieren.

Etwa fünf Minuten später erscheint die Wespe erneut und fliegt unbeirrt auf „ihr“ Fleischstück und unser T-Bone-Steak ist ihr völlig egal. Mit deutlich mehr Routine (oder ist das Fleischstück nun schon mürber?) wird das nächste tragbare Stückchen abgetrennt und mit nachhause genommen.

Bevor es nun zum dritten Besuch der Wespe kommt, habe ich meine Fotokamera und das Stativ aufgebaut um das Geschehen entsprechend zu dokumentieren. Kaum hat das Insekt seinen Platz zum Fressen eingenommen läuft auch die Kamera mit „Dauerfeuer“ und dokumentiert das mühselige Abzwicken eines Stückchens vom bereitgestellten Fleisch. Es bleibt genug Zeit für zahlreiche Fotos, lediglich beim Davonfliegen beeilt sich die Wespe, sodass es davon kein Beweisfoto gibt. Auch beim vierten und fünften Auftauchen gelingt es mir nicht das vollbepackte Tier beim Abheben mit der Fleischportion zu fotografieren. Hierfür gibt es zukünftig sicher noch ein paar Möglichkeiten, denn nun wissen wir wie man die Viecher zähmt und dabei auch noch fotografisch ausbeutet.